Die Familie Flick fristet in einer verlassenen Stadt ein von Atemnot geprägtes Leben. Gunter, ein Arzt ohne Grenzen, steigt fälschlicherweise in der Stadt aus und findet sich, von seltsamer Gastfreundschaft genötigt, mitten in der Familie wieder. Im Werk des Bieler Autors Händl Klaus entwickelt sich ein surrealistisches Spiel voll bösen Witz und Sprachgewalt.
Mit dem Stück von Händl Klaus präsentiert TOBS! eine weitere Bieler Stimme. Der österreichische Schriftsteller, der seit Jahren in Biel lebt, hat in seinen preisgekrönten Stücken eine eigene Theatersprache erschaffen, die die Figuren beim Sprechen so miteinander verbindet, dass sie ohne die andern nicht existieren. Mélanie Huber inszeniert nach «Dunkel lockende Welt» am Schauspielhaus Zürich mit diesem poetischen Sprachstück voller absurder Komik und Musik ihr zweites Stück von Händl Klaus.
mit Fritz Fenne, Lina Hoppe, Gabriel Noah Maurer, Fabian Müller, Martin von Allmen
Ausstattung Lena Hiebel
Musik Martin von Allmen
Liedtexte Stephan Teuwissen
Dramaturgie Patric Bachmann
Mitarbeit Choreografie Joanne Willmott
Regie Mélanie Huber
...Es ist ein sinistres Verwirrspiel, voll surrealer Komik, mit pointierten Staccato-Dialogen... Die Brüder teilen sich Sätze, wiederholen und ergänzen sich wunderbar. In ihrem Sprachgeflecht wechseln Höflichkeit und Boshaftigkeit im Sekundentakt. Das Heiß-Kalt-Spiel setzt sich auch in den Kostümen und dem Lichtdesign fort. Schlagartig wechseln wortlastige (gesprochene wie gesungene) zu körperbetonten Szenen. Die Aggression entlädt sich kathartisch zu Blues, Jazz und Swing...
Das Stück lebt von reizvollen Widersprüchen. Das schnelle, präzise Wortspiel steht im Kontrast zur stillstehenden Zeit. Die Inszenierung von Mélanie Huber wiederum spielt damit, dass die Widersprüche kaum auszuhalten sind. Die Wiederholungen, die aufdringlichen Berührungen, die Enge, die entfesselte Wut, die Täter-Opfer-Umkehr, die Hitze, die klangvollen musikalischen Sequenzen, das Umherstreifen der Figuren, die stetige Zuspitzung der unausweichlichen Situation – all das ist unheimlich unangenehm anzusehen. Vielleicht, weil es allzu real ist. Fabian Müller zittert und schwitzt als Gunter so sehr, dass man mit ihm mitleidet. Und auch wenn ab und zu ganz heiter gesungen wird, kippt die Atmosphäre immer wieder ins Düstere. Natürlich nimmt man das Parabelhafte in dem Drama wahr: das Gleichnis auf die Tyrannei übermächtiger Verhältnisse, auf den Klimawandel, das beängstigend Unausweichliche. Es fühlt sich an, als würde man in der Hitze im Treibsand stecken. Und durstig vor sich eine Fata Morgana erahnen, die im nächsten Moment wieder verblasst.
-Nachtkritik, Lily Diemer, 7.3.26
«(Wilde) Mann mit traurigen Augen» ist eine ästhetisch beeindruckende Inszenierung mit einem präzisen, energetischen Ensemble. Die Sprachmusik von Händl Klaus beängstigt und fasziniert. […] Regisseurin Huber betont die Musikalität des Librettisten Händl, indem sie jazzige Rhythmen einspielt. Nicht tonal, nicht als eigentliche Gassenhauer, sondern eher als Sprechgesänge. Das alles erfordert von den Schauspielern enorme Textarbeit und nahezu perfektes Timing. Sie leisten es. Tauchen in ihre Rollenwelten ab. Durch bezaubernde Soli und rhythmische Gewaltakte hindurch münden schliesslich alle Stimmen in einen wunderbaren, berauschenden Chor. Postapokalyptisch, fröhlich swingend im taghellen Albtraum gefangen, seufzt es: «Lassen Sie mich – nicht allein!».
-Bieler Tagblatt, Clara Gauthey, 11.3.26
Das Ensemble changiert mit Brillianz zwischen absurder Komik und Übergriffigkeit.
-Solothurner Tagblatt, Susanna Hofer, 12.3.26